Vegetative Dystonie
Psychovegetatives Syndrom / Neurasthenie / Psychosomatik
Psychovegetatives Syndrom, funktionelle Störungen
"Ein Herr von Stand hatte durch ungewöhnlich viele Berufspflichten Geist und Körper so zugerichtet, dass nicht zu beurteilen war, ob Geist oder Körper mehr zerrüttet sei. Man hatte Grund zu fürchten, die Geisteszerrüttung könnte mit den traurigsten Folgen ein erbarmungswürdiges Ende nehmen. Monate hindurch hatte er weder Schlaf noch Ruhe und hatte die peinlichsten Leiden und Schmerzen am ganzen Körper. Alle ärztlichen Mittel waren wirkungslos",
so beschreibt Pfarrer Kneipp vor mehr als hundert Jahren einen Patienten, der heutzutage unter die weitaus nüchternere Diagnose "Vegetative Dystonie" oder "Psychovegetatives Syndrom" fallen würde.
Ursache für dieses Krankheitsbild sind vor allem berufliche oder private Überlastungen.
„Alles Heil liegt mitteninne, und das Höchste bleibt das Maß“ – ein Sprichwort, das in besonderer Weise für das Nervensystem gültig ist und hier vor allem für das Krankheitsbild des Psychovegetativen Syndroms, auch bekannt als Funktionelles Syndrom oder Vegetative Dystonie. Darunter wird ein ganzer Symptomenkomplex zusammengefasst wie z.B. Nervosität, depressive Verstimmung, Stimmungsschwankungen, innere Unruhe, Erschöpfung, Antriebsschwäche bis hin zur Antriebslosigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Beklemmungsgefühle, Muskelzuckungen, vegetative Herzbeschwerden, aber auch Libidoverlust, Verdauungsbeschwerden, Migräne, Kopf-, Rückenschmerzen, Infektanfälligkeit und krankhafte Veränderungen im Bereich von Haut, Haaren und Nägeln. (Organische Ursachen selbstverständlich vorher ausgeschlossen).
Die vegetative Dystonie gehört zu den Stresserkrankungen, die den Gipfel einer Phase chronischer seelischer Belastung darstellt. Steht ein Mensch dauernd unter Spannung, greift er so lange auf seine Leistungsreserven zurück, bis diese aufgebraucht sind. Irgendwann kommt der Punkt, an dem sich massive Störungen in der Reizleitung des Nervensystems zeigen. Sie sind ein Hinweis, dass die seelischen Reserven wie die unter Stress besonders reichlich verbrauchten Elektrolyte aufgezehrt sind.
Die chronische emotionale Belastung führt im Laufe der Zeit möglichweise zu nervösen Herzbeschwerden, innerer Unruhe, Nervösität, Schweißneigung und evtl. auch zu einer Überfunktion der Schilddrüse (mit ihren Begleiterscheinungen), aber auch zu Verstopfung, Libidoverlust und Zyklusstörungen bei der Frau. Der Blutdruck ist oft erniedrigt, kann aber in manchen Fällen auch erhöht sein. Die Stimmungslage ist eher gedrückt oder oft schwankend.
Ein Blick auf die psychosomatischen Hintergründe verhilft zu einem tieferen Verständnis des Krankheitsbildes. Das Nervensystem lässt sich als eine Art innerkörperlicher Nachrichtendienst verstehen, der dem Patienten ständig einen Alarmzustand signalisiert. Das natürliche Gleichgewicht des vegetativen Nervensystems wird verschoben. Durch eine Dauerspannung ist man ständig zu Kampf oder Flucht aufgefordert, bis die seelischen und körperlichen Reserven aufgebraucht sind und die o.g. Symptome auftreten (Phase der Erschöpfung).
Oftmals ist hierbei der Schlaf-Wach-Rhythmusgestört. Nachts leiden die Betroffenen unter Ein- und Durchschlafstörungen, tagsüber unter Müdigkeit und Antriebslosigkeit.
Ein ausführliches Gespräch ist für die Auswahl der individuellen passenden Therapiemöglichkeiten (z. B. Gesprächstherapie, Entspannungsverfahren/Autogenes Training, Hypnosetherapie, Akupunktur, Homöopathie, Ernährungsumstellung, Ordnungstherapie. Bewährt hat sich eine abgestimmte Kombinationstherapie).
Selbstverständlich sollte vor der Diagnose eine gründliche Untersuchung durch den Hausarzt erfolgen, um tatsächliche organische Erkrankungen auszuschließen, damit wird eine mögliche "Verlegenheitsdiagnose" vermieden.

