Migräne / Kopfschmerzen
Unter Migräne versteht man sich wiederholende Schmerzattacken, die plötzlich einseitig beginnen und in der Regel mit Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Erbrechen verbunden sind. Sinnesstörungen, Bewegungsstörungen oder Störungen der Stimmung können der Attacke vorausgehen oder sie begleiten. Die Hände und Füße sind oft kalt, auch im schmerzfreien Intervall, was auf eine generelle Funktionsstörung der Gefäße hindeutet. Klassische Migräne Dabei treten in der Vorphase typische Sehstörungen (Flimmern oder teilweise Blindheit = Migräne-Aura) auf, erst danach kommt es meist zu puls-synchronem, hämmerndem Kopfschmerz, meist einseitig im Bereich der Schläfe oder des Auges, oft auch Gesichtsblässe. Die typische Anfallsdauer ist 6-8 Stunden, gelegentlich auch einige Tage.
Einfache Migräne ohne Sehstörungen (Aura)
Schmerzbeginn und Schmerzende sind nicht so scharf markiert, der Schmerz kann auch beidseitig sein.
Cluster-Kopfschmerz
Dabei liegt eine sehr rasch einsetzende, fast immer einseitige, größte Schmerzintensität vor, oftmals "fahr-planmäßig" zur selben Tageszeit. Der Schmerz kann auch monatelang verschwinden. Die Attacken halten bis zu zwei Stunden an. Eine schmale Lidspalte und kleine Pupille sind typische Symptome.
Chronischer Spannungskopfschmerz
Es handelt sich um einen ständig vorhandenen, in der Stärke variierenden dumpfen Kopfschmerz mit Muskelspannung, oft auch mit Angst oder Depression einhergehend. Der Schmerz ist diffus und kann an jeder Stelle im Kopfbereich oder im ganzen Kopf lokalisiert sein, oft besteht Licht- und Lärmempfindlichkeit, auch Übelkeit und Erbrechen. Der Schmerz kann auch einseitig lokalisiert sein und zeitweise verstärkten, hämmernden Charakter annehmen.
Akuter Spannungskopfschmerz
Dabei kommt es zu einer allmählichen Intensitätssteigerung. Die Dauer beträgt meist wenige Stunden, der Schmerz geht langsam zurück, ist selten pochend. Kombinierter Kopfschmerz Symptome der Migräne und des Spannungskopfschmerz liegen gemeinsam vor.
Wodurch können Kopfschmerzen und Migräne entstehen?
Bei der Migräne kommt es nach anfänglicher Engstellung von Gefäßen im Kopf zu einer anschließenden Weitstellung, die erst die eigentlichen Schmerzen verursacht. Es handelt sich also um eine Funktionsstörung der Gefäße. Verschiedene Botenstoffe des Hirnstoffwechsels (z.B. Serotonin) sind an dieser Funktionsstörung beteiligt.
Als Auslöser der Migräne sind bekannt:
Alkohol
Die Aminosäure Tyramin (z.B. in Käse, Rotwein, Schokolade)
Hormonelle Veränderungen bei der Frau (z.B. vor der Menstruation, "Pille")
Körperliche Belastung (z.B. intensiver Sport)
Bestimmte Lichtreize
Stress, der individuell als belastend erlebt wird (Beruf / Beziehung / Familie ...)
Beim Spannungskopfschmerz kommt es durch eine erhöhte Muskelanspannung (z.B. der Nackenmuskulatur oder der Kiefermuskeln, "Zähne zusammenbeißen") zu einer verringerten Durchblutung in diesem Bereich. Hierdurch werden Substanzen freigesetzt, die Schmerznerven reizen. Durch den Schmerz kommt es zu einer weiteren Erhöhung der Muskelspannung und der Teufelskreis schließt sich.
Als Auslöser wird hauptsächlich Stress verantwortlich gemacht, wobei dieselben Stressreize beim selben Patienten durchaus unterschiedlich wirken können. Besonders nach starker körperlicher Anstrengung oder starker psychischer Beanspruchung mit Fehlen von Erfolgserlebnissen oder "heruntergeschlucktem Ärger" kann Spannungskopfschmerz auftreten.
Wie die Existenz des kombinierten Kopfschmerzes andeutet, ist es nicht sicher, ob Migräne und Spannungskopfschmerz zwei verschiedene Krankheiten oder nur die Extreme derselben Erkrankung darstellen.
Was können Sie als Patient selbst tun?
Kopfschmerztagebuch führen, um Kopfschmerz begünstigende Faktoren herauszufinden und anschließend zu vermeiden
Insbesondere auf psychosoziale Zusammenhänge achten, ggf. Änderungen persönlichen Einstellungen und Verhaltensweisen schrittweise anstreben
Psychotherapie, wobei gerade der Kopfschmerzpatient dem oft ablehnend gegenübersteht
Schmerzmittelgebrauch (bzw. -missbrauch) schrittweise reduzieren
Das Leben "ordnen": Sinnvolles Nebeneinander aktiver und passiver Phasen (im Tagesrhythmus, im Jahresrhythmus), ausreichend körperliche Aktivität, ausreichende Möglichkeiten zur Entspannung (Schlaf, Entspannungsübungen), die Freizeit nicht mit weiteren übermäßigen Aktivitäten (z.B. Hobbys, Nebenerwerb, Politik) vollstopfen
Stress - bzw. das, was der Organismus individuell als Stress auffasst - erkennen (mit Hilfe des Schmerz-Tagebuches), ihn vermeiden - soweit möglich - oder für "Stressableitung" sorgen (z.B. Gespräche, Gefühlsäußerungen, Sport).
Wichtig: Kopfschmerzmittel erzeugen auf Dauer häufig selbst Kopfschmerzen!
Muss ein Kopfschmerzpatient täglich Schmerzmittel einnehmen, so liegt entweder bereits Schmerzmittelabhängigkeit oder ein schmerzmittelbedingter Kopfschmerz vor. Als Therapie empfiehlt sich dann entweder ein langsames Ausschleichen oder ein abruptes Absetzen aller Schmerzmittel. Wegen der Gefahr von Entzugserscheinungen mit erheblicher Verstärkung der Kopfschmerzen sollte insbesondere letzteres in klinisch-stationärer Behandlung erfolgen.
Ernährung
Genussmittel wie Alkohol und Nikotin können an der Auslösung von Kopfschmerzanfällen beteiligt sein und sollten weitgehend gemieden werden, wenn ein solcher Zusammenhang wahrscheinlich ist. Weniger bekannt ist, dass koffeinhaltige Genussmittel, die bei beginnenden Kopfschmerzen manchmal sogar einen lindernden Einfluss haben, an der Aufrechterhaltung der Kopfschmerzerkrankung einen großen Anteil haben können. Entzieht man regelmäßigen Kaffeetrinkern den Kaffee, so entwickeln sie rasch körperliche Entzugserscheinungen (Koffein ist eine Droge!), zu denen auch Kopfschmerzen gehören. Kopfschmerzgeplagte, die regelmäßig Kaffee, schwarzen Tee oder Kolagetränke zu sich nehmen ("Das brauche ich, um fit zu sein!"), sollten diese unbedingt für 4 Wochen meiden. Nehmen die Kopfschmerzen an den ersten Tagen an Häufig- und Heftigkeit zu, so ist die Beteiligung des Koffeins an den Kopfschmerzen wahrscheinlich. Sind dann die Schmerzen nach 4 Wochen deutlich weniger, kann man von einem Koffeinentzug als Mitauslöser der Kopfschmerzen ausgehen. Koffeinhaltige Produkte sollten dann weitgehend gemieden werden. Möglicherweise ist ein gelegentlicher, unregelmäßiger Genuss zu tolerieren.
Außerdem sollte die Ernährung besonders reich an Rohkost und Magnesium sein.
Nahrungsergänzung
Magnesium vorbeugend
Vitamin B2 (Riboflavin) beugt Migräneattacken vor
Vitamine der B-Gruppe werden nicht nur bei neuropathischen Entzündungen mit Erfolg eingesetzt. Auch bei der Migräne-Prophylaxe haben sie sich bewährt.

