Ängste, Phobien, Panikattacken
Eigentlich ist Angst eine natürliche und auch wichtige und nützliche Reaktion des Menschen. Sie dient dem Selbstschutz bei Bedrohung.
Wenn das Angstgefühl der Situation nicht angemessen ist, zu massiv wird, ja sogar lähmend wirkt, länger andauert und ohne jeglichen Grund vorhanden ist, handelt es sich um eine Angststörung (Angsterkrankung, Angstsyndrom).
Reaktionen im Körper, im Denken und im Verhalten, wie z.B. Herzrasen, Beklemmungen mit Atembeschwerden, innere Unruhe, Zittern, Schwindelgefühle, Ohnmachtsgefühl finden wir häufig im Zusammenhang mit der Angst.
Es folgt die Angst vor der Angst. Als Vermeidungsstrategie wird immer mehr versucht, Angst auslösenden Situationen aus dem Weg zu gehen. Dabei wird das soziale Leben auf Dauer jedoch immer mehr einschränkt.
Die Ursachen für eine Angststörung können vielfältig sein z.B. innerseelische Konflikte, ängstliche Eltern, traumatische Erlebnisse, genetische Veranlagung, hormonelle Stoffwechselstörung.
Panikstörungen:
Bei einer Panikstörung treten wiederholt Attacken auf, die nicht auf ein Objekt oder eine spezifische Situation bezogen sind, sie kommen wie aus heiterem Himmel und sind nicht vorhersagbar. Innerhalb kürzester Zeit steigert sich das Angstgefühl zu ihrem Höhepunkt.
Symptome einer Panikattacke sind z.B.:
Unsicherheit
Angst, die Kontrolle zu verlieren
Zittern
Atemnot, Beklemmungen
Herzrasen, Herzpochern "bis zum Hals"
Schweißausbrüche
Ohnmachtsgefühl, Schwindel
Angst zu sterben
Eine Panikattacke dauert meist zwischen 5 und 30 Minuten und wird als Zustand intensiver Angst beschrieben.
Bei Panikstörungen kommt es zu einem „Teufelskreis der Angst“, d. h. eine Selbstverstärkung von Angstsymptomen. Muskeln, Organe, Nervensystem, Gehirn, Psyche sind an der Angst beteiligt und beeinflussen sich gegenseitig. Die Betroffenen entwickeln eine Erwartungsangst vor der nächsten Attacke, „Angst vor der Angst“.
Generalisierte Angststörung:
Bei einer generalisierten Angststörung handelt es sich um eine lang anhaltende Angst, die nicht nur auf eine bestimmte Situation oder Objekt begrenzt ist. Es bestehen unkontrollierbare Sorgen und Befürchtungen in Bezug auf alltägliche Ereignisse und Probleme und man kann sich nur kurzfristig von dieser Angst ablenken oder sich davon distanzieren.
Folgende Symptome sind bei einer generalisierten Angststörung zu beobachten:
Unruhe Übererregbarkeit,
das Gefühl, Reiz überflutet zu sein
Angst, dass ein Unglück passieren könnte (z.B. man selbst oder jemand Nahestehender könnte verunglücken, krank werden, in finanziellen Notstand geraten ..)Schweißausbrüche
Herzrasen, Herzklopfen
Zittern
Beklemmungsgefühl
Übelkeit
Schwindelgefühl, Benommenheit
Angst, die Kontrolle zu verlileren
Angst, verrückt zu werden oder zu sein
Muskelverspannung, Muskelschmerzen
Unfähigkeit sich zu entspannen
Kloßgefühl im Hals oder Schluckbeschwerden
Reizbarkeit
Einschlafstörungen
Früher nannte man die generalisierte Angststörung „Angstneurose“. Dieser Begriff wurde von Sigmund Freud geprägt, er zählte damals auch die Panikattacken dazu, die auch in Kombination mit der generalisierten Angststörung auftreten können.
Die Symptomatik wird oft mit einer Depression verwechselt, wobei sich natürlich im Laufe der Zeit auch eine Depression als Folge der ständigen Symptome, Sorgen und Befürchtungen entwickeln kann.
Phobien:
Unter einer Phobie versteht man eine konkrete, sich zwanghaft auftretende Angst vor bestimmten Objekten oder Situationen.
Agoraphobie:
Unter Agoraphobie versteht man Angst vor Situationen außerhalb seiner gewohnten Umgebung. Die Angst besteht vor allem darin, nicht flüchten zu können.
Symptome einer Agoraphobie sind:
Angst vor öffentlichen Plätzen
Angst vor Menschenmassen
Übelkeit
Schwindelgefühl, Unsicherheit
Unruhe, Überregbarkeit
Herzrasen, Herzklopfen
Schweißausbrüche
Zittern
Atembeschwerden, Mundtrockenheit
Beklemmungsgefühl
Ohnmachtsgefühl
Das zentrale Gefühl der Agoraphobie ist in der Falle zu sitzen, keinen Ausweg zu finden, keine Fluchtmöglichkeit zu haben, die Angst, ausgeliefert zu sein. Die Betroffenen leiden an einer mangelnde Kontrolle der Situation. Sie fürchten, die Kontrolle über den Körper zu verlieren und plötzlich ohnmächtig zu werden und hilflos liegen zu bleiben.
Für Betroffene ist es unerträglich, sich in einem öffentlichen Ort, besonders, wenn er überfüllt ist, aufzuhalten wie z.B. Theater, Kino, Kaufhäuser, Stadion, U-Bahnen, öffentliche Verkehrsmittel, Lifte, Flugzeuge, medizinische Untersuchungen in engen Medizingeräten wie das MRT (Magnetresonaztherapie-Gerät), in einer Schlange stehen ...
Der Angst vorausgehend findet man häufig ein sehr einschneidendes Erlebnis wie z.B. Tod oder schwere Erkrankung einer nahe stehenden Person, Ehekrisen, Trennung, Fehlgeburt, Konkurs, finanzielle Notlage, Enttäuschung etc.
Soziale Phobie:
Die soziale Phobie (krankhafte Schüchternheit, krankhaftes Lampenfieber) ist eine anhaltende, starke Angst vor Situationen, in denen der Betroffene in der Aufmerksamkeit anderer steht, in der er sich peinlich verhalten könnte (z.B. beim Essen, Sprechen in der Öffentlichkeit, Teilnahme an Gruppen, Partys, Klassenräume) und tritt häufig in Verbindung mit niedrigem Selbstwertgefühl und Angst vor Kritik auf.
Körperliche Reaktionen:
häufer Harndrang
Stuhldrang, Durchfall
Erröten bzw. Angst vor Erröten (Erytrophobie)
Schwitzen, Herzrasen, Herzklopfen
Zittern
Vermeiden von Blickkontakt
Übelkeit bzw. Angst vor Erbrechen
Räuspern, Versagen der Stimme
Die Furcht, von anderen Menschen kritisch betrachtet zu werden, prägt die soziale Phobie, und führt schließlich dazu, dass soziale Situationen vermieden werden. Die Betroffenen wissen, dass ihre Angst übertrieben ist, können diese aber nicht kontrollieren.
Viele Menschen leiden an Angst (sind aufgeregt, angespannt) vor Auftritten, Prüfungen, dem Sprechen in der Öffentlichkeit. Das ist völlig normal. Im Unterschied zum Phobiker stellt sich aber bei dieser „normalen Aufregung“ Erleichterung ein, sobald die Hürde gemeistert wurde. Der Phobiker verspürt auch nach der Überwindung weiterhin Angst und macht sich Gedanken, wie er wohl auf die anderen gewirkt, welchen Eindruck er hinterlassen hat etc.
Menschen mit sozialer Phobie sind ihre eigenen, schlimmsten Kritiker. Soziale Phobien entstehen daher am häufigsten bei der Selbstunsicheren Persönlichkeit.
Spezifische Phobie:
Die spezifische Phobie ist die Angst vor einem bestimmten Objekt oder einer bestimmten Situation. Diese Ängste sind weit verbreitet, als krankhaft werden sie erst dann eingestuft, wenn sie den Tagesablauf, die Beziehungen oder Aktivitäten beeinflussen und somit Leid erzeugen.
Typische spezifische Phobien sind z.B.:
Prüfungsangst
Höhenangst
Flugangst
Angst vor dem Zahnarzt
Angst vor Spritzen, Nadeln
Angst vor Blut bzw. Blutentnahme
Angst vor geschlossenen Räumen
Angst vor Dunkelheit
Angst vor Ansteckung, Krankheiten
Angst vorm Krankenhaus
Angst mit dem Auto auf der Autobahn zu fahren
Angst vor Tieren (Spinnen, Hunde, Schlangen …)
Oft rühren spezifische Phobien aus der Kindheit, damals wurden Objekte oder Situationen falsch eingeschätzt, oder es gab traumatische Erlebnisse (z.B. Hundebiss, schmerzhafter Zahnarztbesuch, Bienenstich). Oder ein Elternteil hatte z.B. Angst vor Hunden, Spinnen (erlernte Angst). Spezifische Phobien sind sehr weit verbreitet, vor allem die Tier- und Höhenphobien.
Bei allen Angsterkrankungen finden sich häufig die Ursachen bereits in der Ursprungsfamilie. Folgende Rahmenbedingungen können Auslöser für Angststörungen sein:
Psychische Störungen innerhalb der Familie
Depressive Störungen innerhalb der Familie
Ängstlichkeit und Vermeidungsverhalten der Eltern
Überbehütung oder Verwahrlosung
Alkoholerkrankung in der Familie (oder andere Suchterkrankungen)
Erziehungsstil (zu streng, zu dominant, zu hohe Erwartungshaltung, zu hoher Leistungsdruck)
Beziehungskrisen der Eltern
Sexueller Missbrauch, Gewalt in der Familie
Fehlender Halt durch Liebe, Geborgenheit, Schutz
Liebe nur durch Leistung
Es ist notwendig sich dem Thema zu stellen für eine bessere Lebensqualität. Bewährt haben sich in meiner Praxis eine Kombination aus:
Psychotherapie / Verhaltenstherapie
Systemische Aufstellung
Hypnosetherapie
Entspannungstechniken
Eine sinnvolle Ergänzung bieten Akupunktur, Homöopathie, Naturheilverfahren
Eine ganzheitliche Betrachtung hat sich bewährt, da oft in der reinen Psychotherapie nicht an die Auslöser anderer Dinge gedacht wird. So kann ein ausgeprägter Vitamin B12-Mangel z.B. zu Angst, Depressionen, Aggressivität, Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisschwäche, Nervenschmerzen und Kribbeln an Händen und Füßen, Eingeschränkter Geruchs- u. Tastsinn, Erhöhte Infektanfälligkeit, Allgemeine Schwäche u. Müdigkeit, Kurzatmigkeit führen.

